Ernährung

Deinen persönlichen CO2-Fußabdruck im Bereich Ernährung kannst du vor allem dadurch beeinflussen, was du isst (Fleisch und Milchprodukte solltest du möglichst meiden, wenn du deinen Fußabdruck minimieren möchtest.). Deine CO2-Bilanz in diesem Bereich kannst du aber auch dadurch reduzieren, indem du Lebensmittel aus kontrolliert biologischem Anbau, und saisonale Produkte aus der Region einkaufst. Auch durch die Vermeidung von Verpackung von Lebensmitteln reduzierst du CO2-Emissionen. Zu einem nicht unerheblichen Anteil ist der ökologische Fußabdruck von Lebensmitteln aber auch abhängig vom Verbraucherverhalten (Transport (Fahrrad/Auto), Lagerung, Verschwendung). Wie du deine CO2-Bilanz im Bereich „Ernährung” verbessern kannst, dafür geben wir im Folgenden einige Anregungen.

Weniger Fleisch- und Milchprodukte

Einen großen Einfluss auf deine Klimabilanz im Bereich Ernährung hat dein Fleischkonsum und die Menge an Milchprodukten, die du verzehrst. Bei einem durchschnittlichen Ernährungsverhalten (4 Mal pro Woche Fleisch, täglich 100 g Wurst bzw. Schinken, täglich Milchprodukte, mäßig Obst und Gemüse) schlägt die Ernährung immerhin mit 1,8 Tonnen CO2 zu Buche.[1] Wenn du nicht ganz auf Fleisch verzichten möchtest, kannst du versuchen, Fleisch aus Massentierhaltung zu meiden und grundsätzlich weniger Fleisch zu konsumieren, indem du z.B. kein Fleisch vor dem Abend verzehrst. Auch, wenn du nicht gleich Veganer werden möchtest, kannst du gelegentlich Butter durch Margarine ersetzen oder auf pflanzliche Milch zurückgreifen (Aus unserer Erfahrung profitieren manche Gerichte sogar durch die Verwendung von Hafermilch, die leicht süßlich schmeckt.). Genau wie beim Fleisch muss es nicht der Industriekäse sein. Iss lieber etwas weniger Käse und dafür von Tieren aus “guter” Haltung. Der kostet zwar etwas mehr, ist aber nicht nur für die Umwelt gut, er schmeckt auch wesentlich besser als Industriekäse.

In unserer heutigen Zeit spiegeln die Lebensmittelpreise leider nicht den wahren Preis der Waren wider. So haben sich Wissenschaftler der Universität Augsburg in einer Studie damit auseinandergesetzt, welche versteckten Kosten (Umweltbelastungen, Stickstoff- und Treibhausgas-Emissionen und Energieverbrauch) bei der Lebensmittelproduktion entstehen. Somit leistet bewusstes Einkaufen und der bewusste Umgang mit Lebensmitteln einen erheblichen positiven Beitrag. 

Bio, saisonal und regional

Obst und Gemüse aus kontrolliert biologischem Anbau erhältst du in Rodgau z.B. im Bioladen Haller (s. unten). Auch die meisten Supermärkte bieten inzwischen „bio“-Produkte an. Regionale Lebensmittel kannst du bei den diversen Hofläden, oder auch an den Ständen der ortsansässigen Bauern kaufen (s. unten).

Wenn du Obst oder Gemüse außerhalb der Saison kaufst, stellt sich die Frage, was ökologisch nachhaltiger ist: die Import-Ware oder die deutschen Produkte. Denn die Beheizung des Gewächshauses z.B. für die Aufzucht von Tomaten in Deutschland außerhalb der Saison, ebenso wie die Kühlung einer Halle für die Lagerung beispielsweise deutscher Äpfel bis in den Frühling hinein, benötigt sehr viel Energie. So kommt eine Studie des ifeu-Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH über den Fußabdruck von Gemüse aus Baden-Württemberg für den ersten Fall (deutsche Tomaten außerhalb der Saison) zu dem Schluss, dass die importierten Tomaten aus wärmeren Gegenden (z.B. aus Spanien) eine bessere CO2-Bilanz aufweisen als die deutschen Tomaten.[2] Laut Studie hat die Heizenergie insgesamt den größten Einfluss auf die Klimabilanz der Tomaten. Die Studie weist jedoch auch darauf hin, dass die Produktion von Tomaten in Südspanien im Hinblick auf den hohen Wasserverbrauch problematisch ist.

Wenn du bzgl. der Umweltbilanz deines Obstes und Gemüses also auf der „sicheren Seite“ sein möchtest, kaufe regionales und saisonales Gemüse aus nicht-beheiztem Anbau – und wo immer möglich aus kontrolliert biologischem Anbau.

Verpackungsarm bzw. -frei einkaufen und leben

Versuche, wo immer möglich, auf Einwegdosen und -gläser zu verzichten und generell Verpackungen zu vermeiden. Immer mehr Läden bieten die Möglichkeit, Obst und Gemüse im eigenen Gemüsenetz einzukaufen. Nimm zum nächsten Besuch beim Bäcker einfach einen sauberen Stoffbeutel mit. Bei manchen Bäckern bekommst du dafür sogar Rabatt. Wenn du dreimal pro Woche zum Bäcker gehst, sparst du so schon 150 Papiertüten im Jahr, die nicht hergestellt und transportiert werden müssen. Mit einer Dose für Kuchen wird die Bilanz noch besser. Der nächste Schritt ist dann, mit Dosen zur Fleisch- und Käsetheke zu gehen. Einfach mal beim Händler fragen, ob das möglich ist. Mittlerweile geht das nicht nur bei dem „kleinen Laden nebenan”, sondern auch bei den Frischetheken einiger Supermarktketten und auch in Jügesheim beim Bioladen Haller, oder bei der Metzgerei Hiller.

Wichtig ist hier: Du hast noch Plastikdosen daheim? Aber Kunststoff ist nicht wirklich nachhaltig, also weg damit und her mit Glas und Metall… so bitte nicht!  Wenn du noch verwendbare Plastikdosen/-gefäße hast, nutze sie, bis sie kaputt sind. Bei Neuanschaffungen kannst du dann auf umweltfreundlichere Alternativen zurückgreifen.

Und: Planung ist der halbe Einkauf. Wenn du einen Einkaufszettel zusammenstellst, leg dir direkt die passenden Gefäße mit raus. Ein großer Vorteil hier ist, dass Spontankäufe reduziert werden, man bewusster einkauft, Geld spart und ggf. weniger wegwirft, weil man am Ende doch zu viel geholt hat.

Auch bei den Getränken gibt es ein großes CO2-Einsparpotential: Kaufe Getränke in Glas- statt in Plastikflaschen (schmeckt auch besser), mache Leitungswasser zu deinem Standardgetränk und kaufe andere Getränke möglichst in Mehrweggebinden. Große Konzerne greifen oft auf Grundwasser aus Ländern zurück, wo es dann dringend fehlt und dazu muss es weit transportiert werden. So sinkt z.B. in der französischen Gemeinde Vittel der Grundwasserspiegel, da ein multinationaler Konzern im großen Stil Wasser abpumpt wie eine Doku des Investigativ Journals Frontal 21 zeigt. Stilles Wasser gehört zu den am besten kontrollierten Lebensmitteln in Deutschland. Wer mehr wissen möchte findet in diesem Video interessante Details. Ferner hat man keine Schlepperei, keine Verpackung und es ist viel billiger. Solltest du zu denjenigen unter uns gehören, die nicht auf ihr Sprudelwasser verzichten wollen, bietet ein Wassersprudler den Vorteil, dass kein Lagerplatz für die Wasserkästen benötigt wird und auch das Schleppen der Kästen entfällt. Bei Limos, Cola, Säften und alkoholischen Getränken (Sekt, Bier, …) kann man einfach mal schauen, von wem und wo diese hergestellt worden sind. Es muss nicht der Großkonzern sein, der ganze Landstriche ausbeutet und dann alles um die halbe Welt zu uns transportiert. Auch wenn man an den Geschmack gewöhnt ist, lohnt es sich, mal zum Produkt, das im Regal daneben steht, welches in der Nähe produziert wird und dann vielleicht auch noch aus biologischem Anbau kommt, zu greifen – sowohl aus Gewissens- als auch Geschmacksgründen.

Wenn du unterwegs bist, denke daran, eine wiederbefüllbare Flasche mitzunehmen. In vielen Läden kann man diese kostenfrei auffüllen (auf den Refill“-Aufkleber achten, sonst einfach fragen, https://refill-deutschland.de/). Das spart viel Geld und viel Müll. Für Kaffeetrinker gibt es eine Vielzahl an wiederverwendbaren To-Go-Bechern. Beim Bioladen Haller in Jügesheim oder auch beim Bäcker Schäfer kannst Du gegen Pfand Deinen Kaffee im wiederverwendbaren To-Go-Becher trinken. Bist du auf Festen unterwegs? Einfach einen Teller und Besteck selbst mitnehmen. Das spart viel Müll und man kommt dadurch oft mit anderen ins Gespräch und kann diese dann vielleicht sogar zum Mitmachen animieren. Wenn du in Restaurants/Bars bist, bestelle deine Getränke ohne Strohhalm. Wenn du gerne einen benutzt, besorge dir wiederverwendbare Trinkhalme aus Metall, Bambus oder Glas. 

Und zu guter Letzt bleiben noch die Unverpacktläden zu erwähnen. Davon gibt es glücklicherweise immer mehr. Das Prinzip ist einfach: Verpackung (Dose, Glas, …) wiegen, Gewicht draufschreiben oder Etikett draufkleben, Produkt selbst abfüllen, beim Bezahlen wird das Gewicht der Umverpackung abgezogen, fertig. So kann man genau die Menge holen, die man braucht und von neuen Sachen, einfach mal was zum Probieren mitnehmen. Es gibt natürlich nicht nur Lebensmittel, sondern auch Kosmetik- und Haushaltsprodukte sowie kleine Helfer für einen müllfreien/-armen Alltag. Einige Läden verschicken auch eine Auswahl ihrer Produkte. Bei uns in der Nähe gibt es den Laden “Natürlich frei” in Mühlheim. Ab Anfang 2020 wird am Puiseauxplatz in Nieder-Roden eine zweite Filiale aufmachen. Wenn du zum Einkauf beim “Natürlich frei” mit dem Auto fährst, solltest du jedoch zwecks Klimabilanz unbedingt vermeiden, nur für ein Kilogramm Äpfel dorthin zu fahren, sondern gleich einen Großeinkauf machen (s. nächster Abschnitt).

Verbraucherverhalten

Den Einfluss des Verbrauchers hat die oben bereits zitierte Studie des ifeu-Instituts untersucht: Anhand des Beispiels „regionale Tomaten aus dem unbeheizten Folientunnel“ zeigt die Studie u.a., dass ein Verbraucher, der mit seinem Auto zum 5 km entfernten Supermarkt fährt, um dort 1 kg Tomaten zu kaufen, den ökologischen Fußabdruck der Tomaten im Vergleich zum Verbraucher, der mit dem Fahrrad einkauft, verdoppelt! Für die Klimabilanz beim Einkaufen kann also entscheidend sein, ob ich meine Einkäufe mit dem Auto oder mit dem Fahrrad erledige.

Wie die Studie auch zeigt, hat auch die Lagerung einen großen Einfluss auf den ökologischen Fußabdruck eines Lebensmittels. Das Beispiel eines Salatkopfes, der sofort verzehrt oder im schlechtesten Fall einige Tage im Kühlschrank mit geringer Energieeffizienz gelagert wird, zeigt, dass der CO2-Fußabdruck im zweiten Fall gegenüber dem Sofortverzehr um 50 % erhöht ist. Wenn du also nur einmal in der Woche auf dem Markt einkaufst und dadurch die Waren lange gekühlt werden müssen, kann sich die Bilanz zu Gunsten des Einkaufs im Supermarkt verschieben.

Auch die Lebensmittel-Verschwendung ist in Deutschland ein großes Thema. Laut der Studie des ifeu-Instituts werden hierzulande 21 % der gekauften Lebensmittel in privaten Haushalten weggeworfen, so dass sich der CO2-Fußabdruck des tatsächlich verzehrten Gemüses um bis zu 32 % erhöht. Was du dagegen tun kannst: Bevor du Lebensmittel mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) wegwirfst, schaue sie dir genau an und probiere ggf., ob sie noch gut sind. Meistens kann der Joghurt etc. noch sehr gut verwendet werden, auch wenn das MHD schon abgelaufen ist. Immerhin heißt es Mindesthaltbarkeitsdatum – und nicht “tödlich ab:”-Datum. Supermärkte bieten gelegentlich Aktionsware mit knappem MHD an, auch da kannst du helfen, die Verschwendung zu minimieren, indem du zugreifst. So trivial es klingt, ist doch manchmal die Umsetzung nicht so einfach: Kaufe nur das ein, was wirklich verbraucht wird. Ein Wochenplan, mit welchem du Gerichte der Woche planst und gezielt dafür einkaufst, kann dabei helfen.

Lebensmittel selbst anbauen

Wie oben ausgeführt ist es gar nicht immer einfach zu entscheiden, welches Lebensmittel das Nachhaltigste ist. Versuche daher, deine Lebensmittel – wo immer möglich – selbst anzubauen. Dafür wird nicht unbedingt ein Garten benötigt: Auch auf dem Balkon lassen sich in Kübeln und Blumenkästen Kräuter, Tomaten, Auberginen und mehr anbauen.

Nachhaltig einkaufen in Rodgau

Hof- und Bioläden

  • Hofladen Keller (Heinrich-Sahm-Straße 6, Rodgau-Hainhausen. Angeboten werden: verschiedenste Kartoffelsorten, Obst und Gemüse der Saison, hausgemachte “Leckereien” (Liköre, Marmeladen, Sirup…), Wurst und Fleisch (aus eigener Haltung), Ziegenkäse (aus dem Westerwald), Präsentkörbe und Rezepte.
  • Sandhof (Westweiler/Außerhalb 3, Rodgau-Jügesheim. Angeboten werden: Obst und Gemüse (jedoch nicht nur regional), saisonal auch Erdbeeren zum Selbstpflücken, ausgefallene Salate, Fleisch und Wurst aus eigener Herstellung, Gänse (auf Bestellung), geräucherte Forellen (immer donnerstags, eine Vorbestellung ist empfehlenswert), Aal und Lachs von der Räucherei Bruns in Bad Zwischenahn, hausgemachte Marmeladen, Pesto & Saucen, Dosenwurst, Obstweine & Sekt, diverse Suppen in der Dose, Kuchen & Brot im Glas.
  • Hofladen Familie Raab, Waldhof, Rodgau-Jügesheim. Angeboten werden: regionales Obst und Gemüse, Salat, Müsli, Sirup, Säfte und Gelees, Wurstwaren und Fleisch aus eigener Herstellung (vakuumverpackt und zweimal im Monat frisch).
  • Bioladen Haller, Hintergasse 6-10, Rodgau-Jügesheim.
  • Milchtankstelle Familie Löw, Ostweiler 1, Rodgau-Jügesheim. Angeboten werden: Milch und Lebensmittel aus der Region (vom Automaten).
  • Bauernhof Familie Roßkopf, Ostweiler 4, Rodgau-Jügesheim. Angeboten wird Milch.
  • Grimm’s Bauernlädchen, Hintergasse 5, Rodgau-Jügesheim. Angeboten werden: Fleisch- und Wurstwaren aus eigener Herstellung, außerdem viele Produkte aus der Region wie Nudeln, Mehl, Honig, Schokoladen, Obst und Gemüse.
  • Spargelhof Ripper, Ludwig-Erhard-Platz 5, Rodgau-Dudenhofen. Angeboten wird saisonal Spargel, der Hofladen ist von ca. 8.00 bis 18.30 Uhr geöffnet.
  • Hofladen Kühnle, Nieder-Röder-Str. 21, Rodgau-Dudenhofen. Angeboten wird saisonal Spargel und Kürbisse, aber auch Kartoffeln und Äpfel aus der Region, Nudeln und mehr.

Wochenmärkte und Marktstände

  • Hermann-Sahm-Platz vor dem Rathaus in Jügesheim, samstags von 8 bis 13 Uhr. Angeboten werden: Obst und Gemüse, Blumen, Backwaren, Feinkost.
  • Puiseauxplatz in Nieder-Roden, freitags von 8 bis 13 Uhr. Angeboten werden: Obst und Gemüse, Blumen, Backwaren, Feinkost, Fisch, Fleisch- und Wurstwaren, Eier und Geflügel, Wildspezialitäten, Honig, Wein und Spirituosen, Käse, Kräuter, Hessenimbiss.
  • Marktstand Wegner, vor dem Toom-Baumarkt in Dudenhofen, freitags von 8 bis 15 Uhr und samstags von 8 bis 14 Uhr. Angeboten werden: Obst und Gemüse (teilweise aus der Region), manchmal Honig, Säfte und mehr.

Quellen

[1] Drexel, Christof (2019): Warum Meerschweinchen das Klima retten: Einfache Strategien für eine bessere CO2-Bilanz. 1. Aufl., München: Gräfe und Unzer

[2] Maria Müller-Lindenlauf (2013): „CO2-Fußabdruck und andere Umweltbelastungen von Gemüse aus Baden-Württemberg“, URL: https://www.ifeu.de/wp-content/uploads/IFEU-MBW_Gemuese_Bericht_2013-final.pdf . [27.11.2019]