Fahrräder im Straßenverkehr mit dem erforderlichen Abstand überholen

Am vergangenen Samstag machten wir mit einer Radtour von Weiskirchen bis nach Nieder-Roden auf das richtige Überholen von Fahrradfahrer*innen im Straßenverkehr aufmerksam: Hierzu schnallten wir uns Poolnudeln auf den Gepäckträger, da Autos laut StVO §5 (4) beim Überholen zu Radfahrenden innerorts 1,5 m Abstand einhalten müssen. Und genau so lang sind Poolnudeln.

In diesem Abstand sollen Autos überholen … (c) Thomas Guthmann, 2020

Leider zeigt sich immer wieder, dass Autofahrende Radfahrer*innen zu dicht überholen und dadurch unnötige Gefahrensituationen heraufbeschwören. Dies wollen wir ändern und mit unserer Aktion um Rücksichtnahme gegenüber schwächeren Verkehrsteilnehmer*innen, die durch schnelle und unüberlegte Überholmanöver in unnötige Gefahrensituationen gebracht werden, werben. Autofahrer erleben diese Überholsituation aus ihrer geschützten Perspektive im PKW prinzipiell weniger bedrohlich als dies der überholte und ungeschützte Radfahrer empfindet. Überholmanöver sind Stresssituationen für jeden Radfahrer. Es geht uns deshalb bei unserer Aktion darum, um mehr Achtsamkeit und Geduld auf Seiten der überholenden Autofahrenden zu bitten, denn auch Fahrräder gehören gleichberechtigt zum Straßenverkehr.

Bei unserer Aktion, die u.a. entlang der “Hauptstraßenabschnitte“ in Jügesheim, Dudenhofen und Nieder-Roden führte, zeigten sich leider zwei Autofahrer alles andere als geduldig und rücksichtsvoll: wir wurden angehupt, beschimpft und sogar eine unserer Poolnudeln wurde touchiert – zum Glück verlief dies glimpflich.

Radfahrer demonstrieren die notwendige Sicherheitszone für Überholmanöver
(c) Thomas Guthmann, 2020

Allerdings bildeten diese zwei Heißsporne die Ausnahme. Vor allem von anderen Radfahrern und auch Fußgängern bekamen wir viel Lob und Zustimmung für die Aktion, auch wenn sich keiner der Radelnden an der Aktion beteiligen wollte. Poolnudeln hätten wir noch verleihen können. Anwohner spendeten Applaus für uns und freuten sich mit den Worten „Richtig so! Super!” über unser Engagement. Entlang der Radtour wurde aber auch von vielen Zuschauern angemerkt, dass die neue Überhol-Regelung noch zu wenig bekannt ist: Vielen Autofahrern ist diese StVO-Änderung noch nicht bewusst.

Die Aktion machte deutlich, dass die Verbindung von Weiskirchen bis Nieder-Roden für Radfahrende eine gefährliche Route darstellt, verschärft durch auf beiden Seiten parkende Autos. Aus unserer Sicht müssen Fahrrad und Auto auf dieser Route gleichberechtigt gesehen werden. Als Lösung bietet sich der Umbau als Fahrradstraße an. Hier gibt es mittlerweile gute Beispiele in Hessen und auch in der näheren Umgebung, z.B. in Offenbach.