Gärtnern für Faule

Deutschland ist das Land der „Laubenpieper“: Mehr als eine Million Kleingärten gibt es in der Republik, und auch hier in Rodgau sind sie aus dem Stadtbild nicht wegzudenken. Haus- und Schrebergärten sind der perfekte Ort zum Erholen und Kraft tanken. Den Gestaltungsmöglichkeiten sind kaum Grenzen gesetzt, wie nicht zuletzt die jährlich durch eine örtliche Tageszeitung veranstalteten Garten-Wettbewerbe belegen.

Egal, ob wildromantischer Bauerngarten, Garten mit englischem Rasen und beleuchtetem Pool oder Idyll am Gartenteich – häufig haben sie eines gemeinsam: Es erfordert oftmals riesige Anstrengungen, diese Gärten in die perfekte Form zu bekommen, in der sie in der Zeitung präsentiert werden, und natürlich regelmäßig einen ebenso großen Aufwand, diesen Zustand zu erhalten. Wo aber Wege gepflastert sind, Grashalme mit der Schere gestutzt und Beete mit Kies überschüttet werden, um einzelnen exotischen Zierpflanzen zur Geltung zu verhelfen, da fühlt sich die heimische Fauna leider nicht mehr wohl.

Dabei ist es ganz einfach, für hier beheimatete Insekten, Amphibien und Vögel Lebensräume zu schaffen und gleichzeitig sogar viel mehr Entspannung im Garten zu erleben: Sei ein fauler Gärtner und mach künftig einfach nur noch das Nötigste! Die Zeit, die man im Garten verbringt, kann man nämlich prima in den Obst- und Gemüseanbau investieren. Diese Nutzpflanzen wollen gehegt und gepflegt werden – schließlich will man ja später auch eine reiche Ernte einfahren. Aber mal ehrlich: Muss man wirklich auch noch Stunden aufbringen und hinter jedem Kräutlein herjagen, das zwischen zwei Gehwegplatten aus einer Fuge sprießt?

Mitglieder unserer Initiative bewirtschaften ihren Garten seit mittlerweile acht Jahren. Waren sie anfangs noch bemüht, der (pensionierten) Vorbesitzerin, die das Areal jahrelang in einem nahezu makellosen Zustand erhalten hatte, nachzueifern, so setzte sich doch bald die Erkenntnis durch: Wenn zwei in Vollzeit arbeiten und nur nachmittags oder an den Wochenenden mal kurz Zeit für die Gartenarbeit finden, ist das alles nicht zu schaffen – und man will sich ja auch mal dort ausruhen können. Allein die drei vorhandenen Rasenflächen zu mähen, war schon immer zeitraubend. Also begannen sie (zunächst eher unfreiwillig), Bereiche des Gartens sich selbst zu überlassen.

Beispielsweise wurde in den letzten Jahren eine der Rasenflächen zu einer kleinen Wildwiese umfunktioniert, die – abgesehen von einer Mahd im Sommer – unangetastet bleibt. Die beiden anderen Rasenflächen sind stark mit Gänseblümchen, Klee und anderen Pflanzen durchsetzt und werden auch nur noch gelegentlich gemäht. Und „Unkraut“ gibt es in diesem Garten nicht – das sind Wildpflanzen, die durchaus eine schöne Blütenpracht entfalten und in einigen Bereichen des Gartens gern gesehen sind. Wildgräser, Portulak etc. entfernen die Gartenfreunde aus ihren Beeten nur sporadisch und wenn die Pflanzen schon ziemlich groß sind – dann kann man sie leichter ausgraben.

Die Natur hat ihnen ihr „Gärtnern für Faule“ mittlerweile gedankt: Auf der Wildwiese wachsen Wilde Möhre, Brennnessel, Leinkraut, Wilder Majoran & Co. – das reinste Paradies für Insekten und die Bienenvölker eines benachbarten Gartens! Wildrosen, Sonnenblumen, Königskerzen, Fingerhut und Disteln dürfen wachsen, wo sie wollen – die Initiativen-Mitglieder erfreuen sich an ihren Blüten ebenso wie die Hummeln und Bienen. Sogar Vögel wie Sperlinge, Stieglitze, Meisen und Finken konnten sie dabei beobachten, wie sie sich bei den Sonnenblumen an den Körnern bedient haben. Gerade die Spatzen genießen das Leben in diesem Garten – manchmal kann man sie dabei beobachten, wie sie auf der trockenen Erde ein „Bad“ nehmen, um ihr Gefieder zu reinigen. Sogar Amseln haben vor einigen Jahren schon einmal dort genistet. Aber auch Amphibien wie ein Kammmolch-Weibchen und Reptilien wie die Zauneidechse waren mittlerweile schon bei ihnen zu Gast.

Die beiden Initiativen-Mitglieder sind jedenfalls von ihrem Ansatz „Gärtnern für Faule“ mittlerweile überzeugt. Klar – ganz ohne Arbeit geht es nicht, aber man kann sich schon Einiges an Arbeit sparen und der Umwelt damit sogar noch einen Riesengefallen tun.

Probiere es mal selbst aus!


Impressionen zum “faulen Gärtnern”